Mikroplastik: Wie sehr bin ich in Gefahr?


Man kann Mikroplastik meistens nicht sehen. Deutlich erkennbar sind die Kunststoffpartikel beispielsweise in Zahnpasta oder auch in Kosmetika, wie z.B. in Peelings. Sportplätze, Kosmetik, Kleidung – nicht nur dort findet sich Mikroplastik, sondern überall. Es ist in der Luft, die wir atmen. Eine Studie hat gezeigt, dass der Mensch etwa 100 Mikroplastikpartikel pro Mahlzeit aufnimmt. Der Hauptbestandteil dieser Mikroplastikpartikel stammt aus der Luft.


Im Wasser

Bis dato ist nicht wissenschaftlich und umfassend geklärt, wie Mikroplastik ins Leitungs- und Trinkwasser gelangt. Wissenschaftler*innen gehen von mehreren Wege aus. So ist es vor allem möglich, dass die Mikroplastik-Partikel über die Atmosphäre ins Wasser gelangen. Beispielweise über Wäschetrockner oder auch Entlüftungssysteme gelangen Kunstfaserteilchen in die Luft und somit schlussendlich ins Niederschlags-, Flächen- und Grundwasser. Neben diesen möglichen Faktoren können jedoch auch die in unseren Wassersystemen verbauten Materialien eine Ursache für das Mikroplastik im Leitungswasser sein. Mikroplastik kann bis dato nicht absolut aus dem Wasser herausgefiltert werden. Die mikroskopisch kleinen Teilchen passieren auch die feinsten aktuell bekannten Wasserfilter und gelangen so quasi unaufhaltsam immer wieder in den Wasserkreislauf und schlussendlich auch in unser Trinkwasser. Mikroplastik wurde auch im Flaschenwasser gefunden. Die Non-Profit Organisation Orb Media hat in einer Untersuchung herausgefunden, dass die meisten bekannten Markenwasser Mikroplastikpartikel enthalten. Der Grund dafür ist, dass die international gewonnen Mineralwasser ebenfalls mit Mikroplastik verschmutzt sind und beim Filtern nicht 100% der Mikroplastikpartikel entfernt werden können. Auch das Material der Flaschen und Verschlüsse kann die Mikroplastik-Belastung des Mineralwassers verursachen. Mit dem Wasser gelangt Mikroplastik dann in unseren Körper .

Im Boden

Mikroplastik ist im Boden, auf dem unsere Lebensmittel wachsen. Die Mikroplastikpartikel gelangen durch Klärschlamm und Kompost dorthin, welche beliebte Düngemittel sind. In den Klärschlamm gelangt das Mikroplastik über das Abwasser, da ein Teil der Mikroplastikfracht in der Kläranlage entfernt werden kann. Wird der Klärschlamm nicht als Dünger verwendet, gelangt trotzdem eine große Menge Mikroplastik aus unseren Kläranlagen in unsere Umwelt. Dies ist aber ein anderes Problem, auf dass wir heute nicht eingehen werden. (Wer mehr darüber wissen möchte, den verweisen wir auf die Wasser 3.0 Publikationen und diesen Blogbeitrag über Kläranlagen) Die kleinen Kunststoffpartikel kommen auch durch Reifenabrieb und unsachgemäße Entsorgung von Plastikmüll in den Boden. Im Boden verringern Mikroplastikpartikel die Stabilität der Bodenaggregate. Besonders als Fasern hat Mikroplastik große Auswirkungen. Sie verändern den Porenraum und beeinflussen so die Wasserflüsse im Boden.

Mikroplastik im Essen und auf unserem Tisch

Wenn das Mikroplastik im Boden und im Wasser ist, so kommt es auch in die Nahrungsmittel, von denen wir uns ernähren. Besonders in Fisch, Muscheln, Meersalz und Trinkwasser ist Mikroplastik enthalten. In Miesmuscheln aus unterschiedlichen Küstenregionen und Muscheln aus dem Handel wurden fadenförmige Plastikpartikel gefunden. In Ländern wie Malaysia existieren Lebensmittelquellen wie Garnelenfarmen und Plastikmülldeponien Rücken an Rücken. Niemand kann also mit Sicherheit sagen, dass kein Plastik in die Lebensmittel gelangt. Seit Jahren ist bekannt, dass Mikroplastik auch im Meer ist. Jedes Jahr gelangen etwa 400.000 Tonnen Mikroplastik ins Meer. Mikroplastik ist überall, es ist einer unserer ständigen Begleiter (mehr Informationen gibt es auch im Mikroplastik Faktenbuch).

Mikroplastik ist sogar in uns.

Die große Frage: Welche Auswirkungen hat das Mikroplastik in uns - auf uns? Wie wirkt sich Mikroplastik auf uns, unseren Körper und unsere Gesundheit aus? Bereits 2018 wurde Mikroplastik in menschlichen Stuhlproben nachgewiesen. Auch in menschlicher Plazenta wurden schon Spuren von Mikroplastik entdeckt. Zwar sind langfristige Auswirkungen von Kunststoffpartikeln im menschlichen Organismus noch nicht bekannt, aber es wurde bereits herausgefunden, dass Mikroplastik sich zwischen den körpereigenen Zellen anlagern und dort Entzündungen auslösen kann. Diese können chronische Krankheiten wie Krebs oder Leberzirrhose hervorrufen. Ebenfalls kann es zu Störungen in der Zellkommunikation kommen. Wir schreiben hier bewusst können, da hierzu noch wissenschaftlich fundierte Belege fehlen. Es ist nach wie vor das große Problem, dass eine einheitliche Vorgehensweise bei der Bestimmung von Mikroplastik in Umweltproben und in unserem Körper fehlen. Erst wenn die Normgremien einheitliche Messmethoden verabschieden, können alle erhobenen Daten - nach nochmaligem Messen - bestätigt oder widerlegt werden. Wissenschaftlich bestätigt ist aber die negative Umweltrelevanz von Mikroplastik, weil es als Matrix (Transportvektor) für gefährliche und giftige Stoffe, sogenannte Mikroschadstoffe, fungiert. Das bedeutet, dass diese Stoffe sich mit dem Mikroplastik schnell in der Umwelt verbreiten. Das ist erwiesen und bewiesen und kann in den Wasser 3.0 Publikationen nachgelesen werden.

Und was kann ich jetzt tun?

Ein großer Faktor der Mikroplastikproduktion ist Kleidung. Als Kund*in kann ich beim Kauf meiner Kleidung bewusst darauf achten, dass sie keine synthetischen Stoffe wie Nylon oder Polyester enthält. Das ist nicht einfach, denn immerhin enthalten ca. 60% unserer Anziehsachen Polyester. Und im Gegensatz zu natürlichen Stoffen wie Baumwolle lösen sich daraus Plastikfasern und-partikel, die dann ins Abwasser gelangen. Beim Waschen von synthetischen Stoffen kann ich darauf achten, sie nicht heißer als vierzig Grad zu waschen, denn Temperaturen ab 60° Celsius begünstigen das Herauslösen von Mikroplastik. Auch Weichspüler unterstützt, dass sich Mikroplastik freisetzt. Als Alternative zu Weichspüler kann ich auf die natürlichen Produkte Essig und Zitronensäure zurückgreifen. Als Verbraucher kann ich auch in der Kosmetik darauf achten, dass Produkte wie Peelings oder Make-Up keine Inhaltsstoffe wie Polyethylen oder Polyquaternium enthalten. Ein bekannter Tipp ist die Mülltrennung. Zu Recht, denn korrekt getrennter Müll kann fachgerecht entsorgt und besser recycelt werden. Noch schlimmer als Müll, der nicht getrennt ist, sind Plastikabfälle in der Umwelt - das große No-Go, das leider immer noch passiert. Gelangen Kunststoffe in die Natur, zersetzen sie sich nur sehr langsam und setzen dabei Mikroplastik und andere schädliche zugesetzte Stoffe wie Weichmacher frei. Laut der WHO sind derzeit nicht genug wissenschaftliche Ergebnisse verfügbar, um eine fundierte Aussage über die möglicherweise schädlichen Wirkungen von Mikroplastik zu machen. Jede*r muss das also für sich selbst einschätzen. Am Ende stellt sich die Frage: Wie sehr bin ich in Gefahr?

Annika Richter ist Praktikantin bei Wasser 3.0 und setzt sich im Rahmen ihrer Projektarbeit mit den Facetten von Wissenschaftskommunikation auseinander.

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